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Gedanken des Landammanns zum ökumenischen Bettag

18. September 2022
Beitrag im Amtsblatt vom 15. September 2022.

Liebe Mitlandeute

Wahrscheinlich sind Sie heute unbewusst mehreren und verschiedenen Kreuzen begegnet. Das Kreuz hat in unserer Kultur und unserem Glauben eine lange Tradition. Jesus Christus ist an einem Kreuz gestorben. In diesem Zusammenhang stellt das Kreuz das Leiden und den Tod von Jesus dar. Doch das Kreuz ist vielmehr ein Zeichen der Verbundenheit: Der vertikale Balken symbolisiert die Beziehung zwischen Gott und den Menschen, der horizontale Balken steht für die Beziehung zwischen den Menschen und für ihre Verbundenheit mit der Erde. Das Kreuz ist unser wichtigstes Glaubenssymbol.

Ein grosses, rotes Kreuz ist das Symbol der ältesten und grössten humanitären Organisation der Schweiz, des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK), das 1866 – drei Jahre nach dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) – gegründet wurde. Heuer feiert der Kantonalverband Unterwalden sein 70-Jahr-Jubiläum. Seit 1952 unterstützt das Rote Kreuz in unserem Kanton Menschen, die nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Gar seit 100 Jahren unterstützt Pro Senectute Obwalden Menschen im höheren Alter in ganz unterschiedlichen Belangen. Das sind nur zwei Organisationen von vielen, die sich für benachteiligte oder sozial schwächere Menschen im Kanton Obwalden engagieren. Alle diese Organisationen stehen für christliche Werte wie Nächstenliebe, Hoffnung, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit.

Das rote Kreuz ist in grossen Teilen der Welt ein Symbol für humanitäre Hilfe. Das IKRK hilft leidenden Menschen in mehr als 100 Ländern und es verbindet nationale Gesellschaften unter dem Dach des Roten Kreuzes. Für mich steht das Kreuz aber auch für die Solidarität zwischen den Generationen. Diese Generationensolidarität ist ein wichtiges Gut für unsere Gesellschaft. Ich denke da vor allem an die Altersvorsorge, die AHV und das BVG, Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder die künftige Lebensqualität der jüngeren Generationen angesichts des Klimawandels und den damit verbundenen Extremereignissen und Umweltschäden. Genau bei diesen Themen ist es wichtig, dass sich alle Generationen zu ähnlichen Teilen an der Bewältigung der grossen Herausforderungen beteiligen und die Last nicht einseitig verteilt wird und somit nicht die einen auf die Kosten der anderen leben.

Das Kreuz steht für diese Verbundenheit der Generationen. In unserer Gesellschaft hat generationenübergreifende Hilfe eine lange Tradition. Die Kinder von gestern sind die Eltern von heute und die Grosseltern von morgen. Haben wir gestern von einer Generation profitiert, geben wir ihr heute etwas zurück. Diese Freiwilligenarbeit ist immer ein Geben und Nehmen.

Wie wichtig die Generationensolidarität ist, haben die beiden letzten Jahre mit der Pandemie gezeigt. Es ging dabei nicht um Eigenverantwortung, sondern um Mitverantwortung gegenüber unseren gefährdeten Mitmenschen und letztlich auch um die Zukunft der Jugendlichen und Kinder.

Das steht auch in der Präambel der schweizerischen Bundesverfassung: Die Stärke des Volkes misst sich am Wohl der Schwachen. Im Bewusstsein der gemeinsamen Errungenschaften und der Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen.

Damit sind wir wieder zurück beim Kreuz, das im Zentrum des Schweizer Wappens steht. Das Kreuz verbindet somit nicht nur die Generationen, sondern auch den Staat und die Kirche. Es symbolisiert unser Leben, unsere Werte und Traditionen. Es gibt uns Halt und hält unsere vielfältige Gemeinschaft zusammen.

Ich wünsche Ihnen einen besinnlichen Bettag und eine bunte Herbstzeit mit vielen interessanten Begegnungen. Wenn Sie das nächste Mal das eine oder andere Kreuz sehen, dann denken Sie daran: Es ist ein Zeichen der Verbundenheit und der Generationensolidarität.

Sarnen, im September 2022                                           Landammann Christoph Amstad

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