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Obwalden
in einmaliger Landschaft – aufstrebend

Das Fotohaus Reinhard erhält den Obwaldner Kulturpreis 2019

Der Regierungsrat des Kantons Obwalden hat dem Sachsler Fotohaus Reinhard den mit 5 000 Franken dotierten Obwaldner Kulturpreis zugesprochen. Er ehrt damit das generationenübergreifende Gesamtwerk der drei Fotografen Joseph, Sepp und Daniel Reinhard, das als Langzeitdokumentation von ästhetisch hoher Qualität weit über den Kanton ausstrahlt.

Unter der Bezeichnung Fotohaus Reinhard sind konkret drei Fotografen aus der Familie Reinhard gemeint, die drei aufeinander folgenden Generationen in direkter Linie entstammen: Joseph Reinhard (1901 bis 1975), Josef «Katastrophen Sepp» Reinhard (* 1931) und Daniel Reinhard (* 1960). Zwischen 1930 und 1970 stammte beinahe jedes Bild aus Obwalden, das in der regionalen oder nationalen Presse erschien, aus dem Haus Reinhard. Diese unzähligen, häufig auch künstlerisch wertvollen Fotografien aus vier Jahrzehnten haben das Selbstverständnis der hiesigen Leute und ihre Wahrnehmung des eigenen Lebensraums stark mitgeprägt. Sie gehören zum kollektiven Bildgedächtnis vieler Obwaldnerinnen und Obwaldner. Bemerkenswerterweise reicht das fotografische Gesamtwerk der Reinhards zudem auch weit über die Grenzen der Pressefotografie mit ihrem Hang zum Spektakulären, Sensationellen und Dramatischen hinaus. Nicht zuletzt der als Bildchronist von allerlei Unglücksfällen in Obwalden legendär gewordene «Katastrophen-Sepp» hatte auch ein feines Auge für alltägliche Motive, die aus heutiger Sicht unerwartete und rare Einblicke in längst verschwundene Lebenswelten geben.

Über die Jahrzehnte hinweg sind im Rahmen von Publikationen, Ausstellungen oder filmischen Dokumentationen Teile der Fotosammlung in der Öffentlichkeit präsentiert worden – Material genug, um den enormen kulturgeschichtlichen Wert dieses Gesamtwerks für den Kanton Obwalden erkennen und würdigen zu können. So wie Sepp Reinhard die Passion des Fotografierens einst von seinem Vater Joseph mitbekommen hatte, übertrug sie sich Mitte der 1970er Jahre auch auf seinen Sohn Daniel. Nach einer Fachausbildung zum Fotografen in Wien spezialisierte sich der jüngste der Reinhards auf das bildliche Dokumentieren von Autorennen, wo er es mit der Zeit zu grosser Meisterschaft brachte. In der Formel 1-Szene gehörte er jahrzehntelang zu den angesehensten Fotografen der Branche, ehe er sich 2016 – nach 553 live verfolgten Rennen auf allen Kontinenten – zurückzog und den Fokus auf andere Projekte im Bereich der Industrie- und Werbefotografie legte.

Biografien der drei Preisträger
Joseph Reinhard, 1901 in Sachseln geboren, erlernte den Beruf des Coiffeurs. Während er in Flüeli-Ranft ein entsprechendes Geschäft führt, entwickelt er nebenher die Filme der Touristen. Nachdem er sich das Fotografieren autodidaktisch beigebracht hatte, bildet er zeit seines Lebens vor allem Landschaftsmotive ab. 1932 eröffnete er in Sachseln ein Papeterie- und Fotogeschäft. In seinem eigenen Verlag erschienen zahlreiche Postkarten. Bis zu seinem Tod 1975 führte er den Betrieb zusammen mit seinem Sohn.

Josef (Sepp) Reinhard, 1931 in Sachseln geboren, machte in Luzern eine Berufslehre als Fotograf. Ende der 1940er Jahre begann er seine Tätigkeit als Fotoreporter in Obwalden, die er folglich bis ins frühe 21. Jahrhundert intensiv ausübte. Seine Bilder erschienen regelmässig in lokalen, regionalen und nationalen Zeitungen. Internationales Renommee erlangt er ab den 1950er Jahren mit seinen Aufnahmen von Autorennen, die in deutschen Rennsportmagazinen abgedruckt wurden.

Daniel Reinhard, 1960 in Sachseln geboren, absolvierte die Ausbildung zum Fotografen an der Höheren Grafischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. Nach einem Assistenzjahr beim Wiener «Fotostudio 2» machte er sich 1986 als Industrie- und Werbefotograf selbstständig. Mit seinen qualitativ hochstehenden Aufnahmen von Formel 1-Rennen avancierte er in der internationalen Motorsport-Szene zu einer bekannten Figur.

Die Ausstrahlung des fotografischen Schaffens der drei Reinhard-Generationen ist bemerkenswert. 2001 erschien im Luzerner Verlag Brunner unter dem Titel «Katastrophen-Sepp. Die Obwaldner Fotografen-Dynastie Reinhard» eine umfangreiche Buchmonografie, die als vielbeachtetes Standardwerk gelten kann. Sie wirkte als Initialzündung für diverse Einzelausstellungen, so 2001 im Museum Bruder Klaus in Sachseln, 2002 im Museum Bellpark in Kriens oder 2004 an den Bieler Fototagen. 2006 erschien der Dokumentarfilm «Trophäen der Zeit» von Angelo A. Lüdin und Barbara Zürcher über die Fotografendynastie Reinhard, der im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt wurde. Hinzu kamen mit den Jahren diverse Fernsehbeiträge und Radiosendungen insbesondere über das Leben und Werk des «Katastrophen-Sepp».

Der Obwaldner Kulturpreis wird im Rahmen einer Feier übergeben. Die Preissumme von
Fr. 5 000.– geht je hälftig an Josef (Sepp) Reinhard und Daniel Reinhard. Zeitpunkt und Ort der Preisfeier sind noch nicht bekannt.

Obwaldner Kulturpreis
Der Kanton Obwalden verleiht in regelmässigen Abständen den Obwaldner Kulturpreis für besondere Verdienste um kulturelle Werte und um künstlerisches Schaffen. Die ehrenvolle Auszeichnung soll insbesondere Urheber eines umfangreichen Werks würdigen, das aufgrund seiner Qualität und Aussagekraft auf das Kulturleben im Kanton über längere Zeit hinweg einen befruchtenden Einfluss hatte und weiterhin hat. Erstmals wurde der Preis im Jahr 1969 an den Komponisten Caspar Diethelm vergeben. Seither folgten ihm die folgenden Persönlichkeiten: Bruder Xaver Ruckstuhl (Bildender Künstler, 1971), August Wirz (Komponist, 1973), Meinrad Burch-Korrodi (Goldschmied, 1977), Zita Wirz (Schriftstellerin, 1983), Julian Dillier (Schriftsteller, 1990), Bepp Haas (Maler, 1990), Franz Bucher (Maler/Bildender Künstler, 1996), Pater Eugen Bollin (Maler/Bildender Künstler/Lyriker, 1999), Adrian Hossli (Maler/Bildender Künstler/Theaterregisseur, 2003), Karl Imfeld (Volkskundler/Autor, 2006), Ruedi Rymann (Jodler/Komponist, 2007), Alois Spichtig (Grafiker/Bildhauer, 2010), Romano Cuonz (Schriftsteller, 2013) und Josef Gnos (Musiker/Dirigent, 2016). Der Obwaldner Kulturpreis ist mit 5 000 Franken dotiert. In den letzten beiden Jahrzehnten erfolgte die Vergabe – abgesehen von einer Ausnahme – jeweils im Dreijahresrhythmus, letztmals im Jahr 2016.


Aufnahme Daniel, Joseph und Sepp Reinhard
Für ihre langjährige fotografische Dokumentationsleistung, die dank ihrer ästhetisch hohen Qualität weit über den Kanton ausstrahlt, hat der Regierungsrat dem Fotohaus Reinhard den Obwaldner Kulturpreis verliehen (von links): Daniel Reinhard, Joseph Reinhard und Josef (Sepp) Reinhard. (Bild Daniel Reinhard, Sachseln).
Dokumente Bild_Fotohaus_Reinhard.jpg (jpg, 1782.8 kB)
MM_BKD_Kulturpreis_2019_Fotohaus_Reinhard.pdf (pdf, 2127.8 kB)


Datum der Neuigkeit 21. Aug. 2019